„DataHealth“-Projekt Burbach: Deutschlandpremiere bei der Anwendung der Datenmedizin

Die Gesundheitsversorgung der Zukunft stellt schon heute eine große Herausforderung dar, auf die reagiert werden muss. In der Digitalen Modellregion Gesundheit Dreiländereck (DMGD) werden deshalb digitale Lösungen erprobt, die auf eine Erhaltung und Verbesserung der Gesundheitsversorgung abzielen. Im Rahmen des 6. Holzhäuser Ärztegesprächs wurde nun das DMGD-Forschungsprojekt „DataHealth“ vorgestellt, in dem das sogenannte Vitaldatenmonitoring in die Anwendung gebracht wird.

Der „DataHealth“-Ansatz ist eine Deutschlandpremiere. Dass die im Projekt erforschte, digitale Selbstvermessung als intersektorale Unterstützung des Gesundheitswesens tatsächlich in die Anwendung gebracht wird, hat es so in Deutschland noch nicht gegeben. „Die Vitaldatenaufzeichnung und -auswertung wird eine der entscheidenden Grundlagen für das Gesundheitssystem in Deutschland und Europa sein“, so der geschäftsführende Projektleiter Dr. Olaf Gaus. „DataHealth in Burbach ist das erste Anwendungsprojekt überhaupt, das diesen Versorgungsprozess der Zukunft mit Blick auf die stationäre Pflege sowie das Selbstmonitoring in der Häuslichkeit erforscht. Das ist aktuell ein Novum in Deutschland.“

Neben Hausärzten und Pflegeheimen werden innerhalb der Digitalen Modellregion Gesundheit Dreiländereck künftig auch Kliniken eingebunden. Dabei können Gesundheitsdaten nicht nur von den Hausarztpraxen an das Krankenhaus weitergeleitet werden, sondern umgekehrt auch Daten vom Krankenhaus an die jeweilige Hausarztpraxis, sodass darauf aufbauend Therapien oder Überweisungen empfohlen werden können. Die Wissenschaftler*innen gehen außerdem davon aus, dass vorliegende Gesundheitsdaten zukünftig durch künstliche Intelligenz automatisch ausgewertet werden können. Dies würde zu einer noch größeren Entlastung der Ärztinnen und Ärzte führen und sich positiv auf die Qualität des Erkennens in der Prävention sowie die Qualität der Diagnostik auswirken.

 

„DataHealth“: Projektvorstellung im Rahmen des Holzhäuser Ärztegesprächs

In Kooperation mit regionalen Ärztinnen und Ärzten organisiert der Förderkreis „Alte Schule“ im Heimatverein Holzhausen regelmäßig das „Holzhäuser Ärztegespräch“, in dessen Rahmen Expert*innen und interessierte Bürger*innen über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen im Gesundheitsbereich diskutieren. Am 16. März 2022 wurde bereits zum sechsten Mal zu einer Veranstaltung der Reihe eingeladen. Zu Gast beim 6. Holzhäuser Ärztegespräch zum Thema „Die Bedeutung von Vitaldatenmonitoring: Datenmedizin als digitale Unterstützung im Gesundheitswesen“ waren Vertreter*innen des Forschungsschwerpunkts Digitale Modellregion Gesundheit Dreiländereck (DMGD) der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Universität Siegen, die hier das Forschungsprojekt „DataHealth“ vorstellten.

„Heute sind viele Gäste vor Ort und auch online zugeschaltet“, sagte der Burbacher Bürgermeister Christoph Ewers in seiner Begrüßungsansprache. „Das macht deutlich: ‚DataHealth‘ ist nicht nur irgendein Projekt, sondern eines, das Bedeutung hat. Wir alle haben gemerkt, dass die Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung in Zukunft eine sehr anspruchsvolle Aufgabe ist. Gerade auf dem Land droht ein Ärztemangel, verbunden mit einer alternden Gesellschaft, die medizinisch versorgt werden muss. Wie können wir es schaffen, auch mithilfe der Digitalisierung, eine ärztliche Versorgung in hoher Qualität zu sichern? Das ist eine Frage, die beschäftigt nicht nur Holzhausen, Burbach, Siegen oder Nordrhein-Westfalen. Diese Frage beschäftigt die Welt.“

 

Worum geht es bei „DataHealth“?

Seit Dezember 2021 wird im Projekt „DataHealth“ in Zusammenarbeit mit den Burbacher Hausärzten Fudu Yu und Dr. Jozsef Marton sowie den Christlichen Seniorenhäusern Lützeln eine Projektstudie durchgeführt, in deren Rahmen Vitaldaten von insgesamt 40 Patientinnen und Patienten aus dem Hickengrund erhoben werden; davon entfallen 20 auf die Pflegeeinrichtung und 20 Personen messen von zu Hause aus. Alle Teilnehmenden werden betreut durch die beiden Hausarztpraxen, welche regelmäßige Messungen von Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Gewicht und EKG verordnen, die dann von den Patient*innen selbst oder mit Hilfe von Pflegenden oder Familienangehörigen durchgeführt werden. Die gemessenen Daten werden per Bluetooth an eine Smartphone-App und von dort aus auf einen medizinisch zertifizierten Cloud-Server übertragen. Der Hausarzt hat Zugang zu den Daten und kann diese einsehen und bewerten.

Die Gäste des Ärztegesprächs konnten sich direkt von der Vitaldatenerhebung und -übermittlung überzeugen. In einer Live-Demonstration wurde gezeigt, wie die Messung funktioniert und wie die Daten übertragen werden. Als Proband nahm Bürgermeister Christoph Ewers an der Demonstration teil, und urteilte daraufhin: „Ich finde es sehr reizvoll, Patientendaten auf diese Art und von zu Hause aus dem Wohnzimmer aus übermitteln zu können. Es ist so einfach gemacht worden, diese Messung vorzunehmen. Damit sollte jeder zurechtkommen, der Zugriff auf diese Geräte hat.“

Technisch umgesetzt wurde die Anwendung von den Projektmitarbeiter*innen unter der Leitung von Prof. Dr. rer. nat. Rainer Brück, der die Einfachheit des Prozesses ebenfalls hervorhob: „Die technische Leistung besteht darin, dass Menschen ihre Daten so erheben, wie sie es immer schon gemacht haben, zum Beispiel mit einem Blutdruckmesser. Die Daten laufen dann vollständig automatisch zum Arzt.“

 

Von der Patientenmobilität zur Datenmobilität

Die Selbstvermessung und die automatisierte Datenübertragung, die im Projekt „DataHealth“ erprobt werden, bringen sowohl für Ärztinnen und Ärzte als auch für Patientinnen und Patienten Vorteile mit sich. Die in der Arztpraxis verordneten Messungen haben klinische Relevanz und sind am Vorwissen über Patient*innen orientiert. Auf der von den Ärzt*innen genutzten Plattform werden die Gesundheitswerte als praktische Diagramme visualisiert, die Schwankungen in den Vitaldaten deutlich sichtbar machen und dabei helfen, Entwicklungen schnell nachzuvollziehen.

„Der tatsächliche Arztbesuch ist zielführender, weil schon Daten zugrunde liegen und der Arzt mit einem starken, datenbasierten Vorwissen in das Gespräch und die Diagnostik startet“, erklärte Prof. Dr. med. Nabeel Farhan, der das Projekt „DataHealth“ als Studienarzt wissenschaftlich begleitet. „Die Arztpraxen können durch die mobile und von überall aus mögliche Datenerhebung und -übertragung außerdem entlastet werden. Fällt im Web-Interface auf, dass sich etwa beim Blutdruck eines Patienten etwas geändert hat, kann dieser in die Praxis bestellt werden. Genauso kann aber auch festgestellt werden, dass ein persönlicher Besuch in der Praxis nicht nötig ist. Insgesamt gibt es mehr Kontinuität und weniger Arztbesuche.“

Für Patientinnen und Patienten verspricht das Vitaldatenmonitoring eine verbesserte Kenntnis der eigenen Gesundheitsdaten, mehr Flexibilität und potentiell eine Zeitersparnis. Personen, die nicht mehr mobil sind und – gerade in ländlichen Regionen – lange Anfahrtswege zu ihrer Hausarztpraxis haben, müssen die Anreise nicht mehr auf sich nehmen, solange keine Notwendigkeit für einen Arztbesuch besteht.

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