Vortrag: Dr. med. Simon Schwill präsentierte das Versorgungskonzept HÄPPI

Dr. med. Simon Schwill präsentierte das Versorgungskonzept HÄPPI

Am 20. Januar stellte PD Dr. med. Simon Schwill, MME, Universitätsklinikum Heidelberg, der Forschungsgruppe „Digitale Praxis“ der Digitalen Modellregion Gesundheit Dreiländereck (DMGD) und weiteren Interessierten aus der Gesundheitsforschung der Universität Siegen das ambulante Versorgungskonzept „Hausärztliches Primärversorgungszentrum Patientenversorgung Interprofessionell“ vor, kurz: HÄPPI. Das patientenzentrierte Konzept konzentriert sich auf den Aufbau und Einsatz interprofessioneller Teams in Hausarztpraxen unter Berücksichtigung digitaler Prozesse. HÄPPI entstand in Kooperation des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands e.V. mit dem Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) und wird auf Bundesebene erprobt und weiterentwickelt. Den digitalen Vortrag organisierte die Forschungsgruppe „Digitale Praxis“ der DMGD der Universität Siegen.

Das Versorgungskonzept HÄPPI entstand in Kooperation des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands e. V. mit der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD), die weiter für die wissenschaftliche Begleitung wie die Evaluation zuständig ist. Dr. med. Simon Schwill hat HÄPPI mitentwickelt. Er ist Vorstandsmitglied des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands Baden-Württemberg und selbst praktizierender Hausarzt. Als Leiter der Administration des Kompetenzzentrums Weiterbildung in Baden-Württemberg sowie Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung ist er am UKHD tätig. In seinem Vortrag erklärte er das ambulante Versorgungskonzept und gab Einblicke in die HÄPPI Pilotprojekte und die Prozessevaluation.

Das Versorgungskonzept „Hausärztliches Primärversorgungszentrum Patientenversorgung Interprofessionell“, kurz: HÄPPI, begegnet dem zunehmenden Ressourcenmangel in der Primärversorgung. „HÄPPI soll zwei Ziele erfüllen; den Erhalt der Versorgung und den Ausbau der Versorgung“, so Dr. med. Schwill. Es geht um eine kontinuierliche, kooperative sowie versorgungssteuernde Primärversorgung, die auf bestehende Strukturen aufbaut und durch digitale Konzepte und hybride Versorgung gestärkt wird. Das patientenzentrierte Konzept soll zu erhöhter Qualität und mehr Zufriedenheit bei den Patient*innen sowie den Praxisteams führen. Um das zu gewährleisten, setzt HÄPPI vor allem auf interprofessionelle Zusammenarbeit im Team, insbesondere in Kombination mit nicht-ärztlichen, akademisierten Gesundheitsprofessionen wie Physician Assistants und Pflegefachpersonen. „Personal wie Pflegefachpersonen mit akademischem Hintergrund können gut in der Gesundheitsförderung, -kommunikation und zur Förderung der Gesundheitskompetenz eingesetzt werden“, gibt Dr. med. Schwill exemplarisch an und ergänzt, dass diese Angebote unter anderem Personen mit multimorbiden Erkrankungen zugutekämen.

Das im Jahr 2023 entwickelte Konzept HÄPPI wurde bereits im Rahmen eines Pilotprojekts mit zehn teilnehmenden Hausarztpraxen in Baden-Württemberg erprobt und wissenschaftlich evaluiert, gefördert vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg. Auf diesen Erkenntnissen aufbauend laufen derzeit HÄPPI-Pilotprojekte in Rheinland-Pfalz sowie Bayern; weitere sind bundesweit in Planung. „Durch Unterstützung der AOK Baden-Württemberg ist HÄPPI in der Versorgung, Praxen werden durch den Hausärztinnen und Hausärzteverband BW akkreditiert. Laut aktuellem Stand sind 36 Praxen HÄPPI geworden, die meisten Pilotpraxen sind dabei“, so der Hausarzt und Wissenschaftler.

Im Anschluss diskutierten die Teilnehmenden mit PD Dr. med. Simon Schwill, MME, insbesondere über die Skalierbarkeit des Modells hinsichtlich Größe, Ausstattung und Digitalisierungsgrad von Praxen sowie über das Feedback aus den Pilot-Praxen und die Implementierungsfähigkeit und Flexibilität des Modells HÄPPI.

Die interdisziplinäre und intersektorale Zusammenarbeit ist ein Kernmerkmal der Forschungsgruppe „Digitale Praxis“. Diese fachliche Diversität spiegelt sich auch in den regelmäßig stattfindenden Vorträgen wider. Die Forschungsgruppe wird zusammen mit der DMGD in der neuen Zentralen Wissenschaftlichen Einrichtung „Zentrum für interdisziplinäre Gesundheitsforschung“ aufgehen.

Im vergangenen Monat hielt Annika Steiger, Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe Medizinische Informatik und Graphbasierte Systeme (.MIGS) an der Universität Siegen, einen Vortrag über effiziente KI-gestützte EKG-Analysemethoden im Rahmen des Projekts „FACE“. Zum Artikel: dmgd.de/2026/01/07/vortrag-annika-steiger

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