Zu Besuch in der digitalen DIHVA-Praxis in Etteln

Besuch der digitalen DIHVA-Praxis in Etteln: v. l. Dr. Olaf Gaus (Geschäftsführender Leiter DMGD), Antje Stavesund (DIHVA in Etteln), Dr. Christian Weber (Leiter der Arbeitsgruppe .MIGS), Dr. med. Thomas Bandorski (niedergelassener Hausarzt und Betreiber der DIHVA-Praxis in Etteln) und Prof. Dr.-Ing. Kai Hahn (Leiter der Arbeitsgruppe .MIGS).

Am 11. Februar 2026 besuchten Dr. Olaf Gaus, Geschäftsführender Leiter der Digitalen Modellregion Gesundheit Dreiländereck (DMGD), sowie Prof. Dr.-Ing. Kai Hahn und Dr. Christian Weber, Wissenschaftliche Leiter der Arbeitsgruppe Medizinische Informatik und Graphbasierte Systeme (.MIGS) der Universität Siegen die digitale DIHVA-Praxis von Dr. med. Thomas Bandorski im modernen Dorf Etteln. Vor Ort erhielten die Wissenschaftler Einblicke in die hybriden Abläufe der Praxis. Dahinter steht das Ziel, eine wohnortnahe ambulante Versorgung ohne lange Wartezeiten im Falle von typischen Gesundheitsbeschwerden sicherzustellen.

Das etwa zehn Kilometer südlich von Paderborn gelegene Etteln in der Gemeinde Borchen hat sich seit 2018 zu einem digitalen Dorf entwickelt. Teil dieses Transformationsprozesses sind beispielsweise der von Einwohnern eigeninitiativ organisierte vollflächige Glasfaserausbau, eine eigene Dorf-App sowie eine digitale Mitfahrbank, in der Wartende über eine Anzeige ihren gewünschten Zielort eingeben können und so für herannahende Autofahrer*innen sichtbar machen. Diese digitalen Hilfsmittel werden von den Bewohner*innen angenommen. Zu diesen und weiteren Entwicklungen beigetragen hat insbesondere Ortsvorsteher Ulrich Ahle, IT-Experte und CEO der Gaia-X European Association for Data and Cloud AISBL.

Den fortschrittlichen Rahmen des Dorfes griff Dr. med. Thomas Bandorski, niedergelassener Hausarzt in der Praxis Dr. Bandorski + Schäfer in Bad Wünnenberg, auf. Die Hausarztpraxis im Ort stand lange leer, sodass viele Anwohner*innen auf Praxen im Umland auswichen. Um die ambulante gesundheitliche Versorgung vor Ort wieder herzustellen, eröffnete Dr. med. Thomas Bandorski in den Räumlichkeiten der ehemaligen Hausarztpraxis die DIHVA-Praxis Borchen-Etteln.

Dort trafen sich Dr. Olaf Gaus, Geschäftsführender Leiter der DMGD, sowie Prof. Dr.-Ing. Kai Hahn und Dr. Christian Weber, Wissenschaftliche Leiter der Arbeitsgruppe .MIGS, mit Dr. med. Thomas Bandorski als Betreiber der DIHVA-Praxis sowie Antje Stavesand, zuständige DIHVA, die sie durch die Praxis führten und Einblicke in die hybriden Abläufe gewährten. Die Digitale Facharzt- und Gesundheitsversorgungsgesellschaft mbH stellt der DIHVA-Praxis die digitale Infrastruktur sowie das Versorgungsmodell bereit.

Ziel ist eine wohnortnahe Versorgung ohne lange Wartezeiten, die insbesondere typische Gesundheitsbeschwerden abdeckt, erklärt Dr. med. Thomas Bandorski den Siegener Wissenschaftlern. In der Praxis arbeitet Antje Stavesand als speziell geschulte Assistenzkraft, eine sogenannte Digitale hausärztliche Versorgungsassistenz (DIHVA), die einfache medizinische Untersuchungen wie die Erhebung von Vitaldaten mit modernen Diagnosegeräten durchführt. Die Befunderhebung, Kontrolle und Überwachung erfolgt mithilfe digitaler, KI-unterstützer Diagnosesoftware. Auch Handlungsempfehlungen können so generiert werden. Die erhobenen medizinischen Daten übermittelt Antje Stavesand an die Praxis Dr. Bandorski + Schäfer in Bad Wünnenberg. Auf dieser Grundlage entscheidet Dr. med. Bandorski über das weitere Vorgehen. Die Abstimmung zwischen der DIHVA und dem Hausarzt erfolgt telefonisch oder im Videogespräch. Die Betreuung der Patient*innen findet mit Ausnahme des physischen Besuchs der digitalen DIHVA-Praxis vollständig remote statt. Die Zahl der Patient*innen, die das Angebot der digitalen Praxis in Etteln wahrnehmen, steigt kontinuierlich.

In Regionen mit eingeschränktem Zugang zu hausärztlicher Versorgung unterstützen DIHVA-Modelle eine schnelle medizinische Einschätzung vor Ort. Die ambulanten Praxen sowie die Patient*innen werden auf diese Weise unterstützt und eine schnelle ärztliche Entscheidung ermöglicht. Dr. Olaf Gaus bezeichnete das DIHVA-Modell einer digitalen Praxis nach seinem Besuch in Etteln als Best-Practice-Beispiel für Städte und Dörfer, in denen der Zugang zur hausärztlichen Versorgung vor Ort fehlt.

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