Prof. Dr. Ulrike Buchmann, Professorin im Arbeitsbereich Berufs- und Wirtschaftspädagogik sowie Clustersprecherin im Zentrum für interdisziplinäre Gesundheitsforschung (ZiGS) der Universität Siegen, gewährte im April Einblicke in ihre Forschung. Unter dem Titel „Keine Gesundheit ohne Bildung! Ansätze und Erkenntnisse der subjekttheoretisch fokussierten Transformationsforschung im Gesundheitswesen“ stellte sie den Mitgliedern der Forschungsgruppe „Digitale Praxis“ und weiteren Interessierten aus der Gesundheitsforschung der Universität Siegen ihre Forschungsthemen vor und wies auf zwei BMBF-Projekte hin.
In Ihrem Vortrag „Keine Gesundheit ohne Bildung! Ansätze und Erkenntnisse der subjekttheoretisch fokussierten Transformationsforschung im Gesundheitswesen“ informierte Prof. Buchmann über ihre Forschungsarbeit. Auf Basis des emanzipatorischen Erkenntnisinteresses widmet sie sich dem Ziel, Menschen in die Lage zu versetzen Abhängigkeiten zu erkennen und anhand eines entfalteten Kompetenzspektrums diese Abhängigkeiten mitzugestalten. Dabei berücksichtigte sie in ihrem Vortrag alle Beteiligten im Gesundheitswesen. Sie nahm insbesondere die Curricula der Gesundheits- und Pflegeberufe in den Fokus, bezog aber auch die Patient*innen ein. „Wir brauchen im Gesundheitswesen neue professionelle Arbeit. Bündnisse, in denen auch unter anderem die Zielgruppe der Patient*innen eine neue Rolle und Funktion bekommt“, erklärte Prof. Buchmann.
Ökonomische, technische und gesellschaftliche Veränderungen wirken sich auf die beruflichen Strukturen und Anforderungen im Gesundheitswesen aus. Beispielsweise ist durch das GATS-Abkommen der Handel von Dienstleistungen in öffentlichen Bereichen erlaubt, welche seitdem dereguliert, liberalisiert und privatisiert werden. Wenn die Verantwortlichkeit an die Bürger*innen abgegeben wird, müssen diese in der Konsequenz dazu befähigt sein, solche Prozesse mitzudenken und mitzugestalten. Die demografische Entwicklung und zunehmende Multimorbidität sowie steigende Gesundheitskosten und Effizienzdruck erschweren die Aufgabe. Prof. Buchmann zeichnete ein Spannungsfeld im Bedarf aus Professionalisierung und Entprofessionalisierung. Die beruflichen Qualifikationen und realen Jobanforderungen im Gesundheitswesen sind nicht ausreichend aufeinander abgestimmt. „Hätte man mit Curricula rechtzeitig darauf reagiert, wären heute möglicherweise andere Diskussionen im Feld zu führen als die, dass wir nachträglich die Professionalisierung nochmal angehen müssen – von der Entwicklung und Entfaltung des Individuums ausgehend“, beschrieb Prof. Buchmann. Die Konstruktion von Curricula sollte ihrer Ansicht nach systematisch und wissenschaftsbasiert anhand konkreter Bedarfe im Gesundheitswesen erfolgen.
Abschließend wies Prof. Buchmann auf zwei vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte und abgeschlossene Projekte hin, die sich auf die außerklinische Pflege konzentrieren. Das Projekt „WB-Inklusiv: Bildungswissenschaftliche Grundlegung einer zeitgemäßen Weiterbildungskultur in Einrichtungen der regionalen Altenhilfe“ zielte darauf ab, innovative institutionelle Settings zu realisieren, indem es Beschäftigten ermöglicht wird, Erwerbsarbeit und Weiterbildung besser zu kombinieren zugunsten von Handlungsrationalität und Qualitätssicherung. Gemeinsam mit dem Siegener Lehrstuhl für Wissensbasierte Systeme und Wissensmanagement von Prof. Dr.-ing. habil. Madjid Fathi (Projektkoordination) entstand das Projekt „WBsmart: Bildungswissenschaftliche Grundlegung eines smarten KI-basierten digitalen Weiterbildungsraums für die Altenhilfe mittels personalisierter Empfehlungssysteme“. Hier wurden bildungswissenschaftliche Konzepte mit Methoden der Künstlichen Intelligenz verbunden, um digital unterstützte Weiterbildung zu ermöglichen.
Prof. Dr. Ulrike Buchmann ist Professorin im Arbeitsbereich Berufs- und Wirtschaftspädagogik im Department für Erziehungswissenschaft an der Fakultät Bildung – Architektur – Künste der Universität Siegen. Weiter ist sie Sprecherin des Forschungsclusters „Gesundheitsbildung, Kompetenzen und Kommunikation“ im neu gegründeten Zentrum für interdisziplinäre Gesundheitsforschung (ZiGS) der Universität Siegen. Das Forschungscluster widmet sich der Gesundheitsbildung über die gesamte Lebensspanne hinweg. Menschen sollen zu informierten Entscheidungen für ihre Gesundheit befähigt werden. Im ZiGS möchte die Wissenschaftlerin ihre Forschungsthemen gemeinsam mit Kolleg*innen aus verschiedenen disziplinären Perspektiven weiterentwickeln.
Die interdisziplinäre und intersektorale Zusammenarbeit ist ein Kernmerkmal der Forschungsgruppe „Digitale Praxis“. Diese fachliche Diversität spiegelt sich auch in den regelmäßig stattfindenden Vorträgen wider. Die Forschungsgruppe wird zusammen mit der DMGD in der neuen Zentralen Wissenschaftlichen Einrichtung „Zentrum für interdisziplinäre Gesundheitsforschung“ (ZiGS) aufgehen.
Im letzten Vortrag stellte Prof. Dr. Jozo Acksteiner, Professor der BWL an der Hochschule Fulda sowie Mitgründer der IntuitivAnalytix GmbH, Projekte vor, die zum Ziel haben das Gesundheitssystem durch eine intelligente Versorgungssteuerung zu stärken. Anhand ausgewählter Daten werden Visualisierungen erstellt mit dem Anspruch, leicht lesbar zu sein. Auf diese Weise entstehen intuitive Entscheidungssysteme. Zum Artikel: https://dmgd.de/2026/03/26/vortrag-acksteiner-versorgungssteuerung/











