In der DMGD-Video- und Podcastreihe „Gesundheitspolitische Gespräche“ diskutieren Expert*innen über Chancen, Herausforderungen und Trends im Bereich Digitale Gesundheit. In Folge 40 spricht Dr. Olaf Gaus mit Prof. Dr. med. Joachim Labenz, Chefarzt Medizinische Klinik I für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie im Klinikum Siegen, über sektorenübergreifende Versorgung und notwendige Modernisierungen im Kontext von personellen und finanziellen Engpässen im Gesundheitssystem.
Gemeinsam mit Dr. Olaf Gaus diskutiert Prof. Dr. med. Joachim Labenz, Chefarzt Medizinische Klinik I für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie im Klinikum Siegen, über die sektorenübergreifende Patientenversorgung im Hinblick auf Überlastung und Unterfinanzierung des deutschen Gesundheitssystems. Im Mittelpunkt stehen veränderte Anforderungen an das Gesundheitssystem, die Reformen notwendig machen. Dazu zählen mangelnde Regulierungen der Gesundheitsversorgung, bürokratische und wirtschaftliche Hürden sowie erforderliche Digitalisierungsmaßnahmen für eine sektorenübergreifende Versorgung.
Das Gesundheitssystem passt für Prof. Labenz nicht mehr zu den heutigen Anforderungen. Er sieht einen deutlich gestiegenen Anspruch auf medizinische Versorgung und kritisiert den unregulierten Zugang: „Mit deiner Eintrittskarte in die Krankenkasse kannst du das Gesundheitssystem so oft und wo du möchtest in Anspruch nehmen“. Zudem bemängelt er das sektorale Gesundheitssystem. „Sektoren, wie wir sie haben, sind nicht mehr zeitgemäß und nicht miteinander kompatibel“, betont Prof. Labenz und führt beispielhaft unterschiedliche Abrechnungssysteme im ambulanten und stationären Sektor an. Dadurch ist es nach Ansicht des Chefarztes auch schwierig, inhaltlich Kompatibilität zu gewährleisten.
Der Experte sieht großen Reformbedarf. „Wir sind das mit Abstand teuerste Gesundheitssystem in Europa“, betont Prof. Labenz und führt Bürokratiekosten von etwa 25 Prozent an, die nicht den Patient*innen zugutekommen. Der Experte gibt am Beispiel internistischer Fachabteilungen an, dass „drei Stunden pro Tag jeder Arzt, drei Stunden pro Tag jede Schwester“ allein mit der Dokumentation beschäftigt seien. Hinzu kämen Fehlanreize durch unternehmerische Strukturen. Hier bestehe Optimierungspotential. Weiter müsse die Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung dringend vorangetrieben werden, um den Informationsaustausch und die Vernetzung der Sektoren zu fördern. Prof. Labenz fordert daher umfassende Strukturreformen zugunsten eines modernen, sektorenübergreifenden Gesundheitssystems.
Außerdem sprechen Dr. Olaf Gaus und Prof. Labenz über das Triage-System in den Notaufnahmen, die Versorgung in ländlichen Regionen und damit verbundene Herausforderungen für Ärztinnen und Ärzte sowie über wichtige Schritte, die laut Prof. Labenz als erstes angegangen werden müssten.
Die gesundheitliche Versorgung in Deutschland steht vor großen Herausforderungen und verändert sich derzeit fundamental. Die Digitalisierung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Hier setzen die von der Digitalen Modellregion Gesundheit Dreiländereck (DMGD) entwickelten Gesundheitspolitischen Gespräche an. In den Interviews wird über den Transformationsprozess von traditionellen hin zu digital unterstützten Versorgungsformen diskutiert und es wird erörtert, wie ein digitalisiertes Gesundheitswesen perspektivisch aussehen könnte, damit alle davon profitieren. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Wünsche und Einschätzungen von Versorgungsprofis aus Medizin, Pflege und Technik sowie von Wissenschaftler*innen und Bürger*innen.
Eine neue Ausgabe der Gesundheitspolitischen Gespräche erscheint jeweils zum Monatsanfang hier auf der DMGD-Website sowie auf dem YouTube-Kanal der DMGD. Ab Folge 6 sind die Gesundheitspolitischen Gespräche auch als Podcast auf Apple Podcasts und Spotify verfügbar.











