In der DMGD-Video- und Podcastreihe „Gesundheitspolitische Gespräche“ diskutieren Expert*innen über Chancen, Herausforderungen und Trends im Bereich Digitale Gesundheit. In Folge 38 spricht Dr. Olaf Gaus mit Dr. med. Thomas Bandorski, Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin sowie Mitglied des Vorstandes Praxisnetz Paderborn, über Nutzen und Umsetzbarkeit einer digitalen Praxis am Beispiel von Etteln, nachhaltige Gesundheitsprävention sowie die Zukunft der Gesundheitsversorgung.
„Eine digitale Praxis ist etwas, wo man mit digitalen Tools als Hilfsmittel eine Patientenjourney abbilden kann“, definiert Dr. Bandorski zu Beginn. Er betont, dass Digitalisierung dabei kein Selbstzweck ist, sondern als Hilfsmittel in die intersektoralen Prozesse eingegliedert sein muss. Besonderen Wert legt er auf den erkennbaren Nutzen für die Patient*innen. Dr. Bandorski betreibt eine digitale Praxis in Etteln, einem kleinen Dorf in der Nähe von Paderborn. Nachdem die Arztpraxis fünf Jahre lang unbesetzt blieb, eröffnete er im September 2025 dort die digitale DIHVA-Praxis Borchen-Etteln. Hier arbeitet eine speziell geschulte Mitarbeiterin, die mit den Patient*innen KI-gestützt einen Anamnesebogen erstellt und die Diagnostik durchführt. Die gewonnenen Informationen werden Dr. Bandorski, niedergelassener Hausarzt in der Praxis Dr. Bandorski + Schäfer, zugestellt. Auf dieser Basis entscheidet er über das weitere Vorgehen. „Ich verlasse mich auf meine Mitarbeiter vor Ort. Das mache ich in der Praxis auch. Ich benutze eine KI. Auch da muss man sich erst mal drauf einlassen. Aber die Rückmeldung der Patienten ist extrem gut“, so der Experte.
In diesem Zusammenhang schreibt Dr. Bandorski auch der Delegation an entsprechend qualifizierte Berufsgruppen, beispielsweise Physician Assistant (PA), Entlastende Versorgungsassistenz (EVA) und Nichtärztliche-Praxisassistenz (NäPa), eine besondere Bedeutung zu. „Wir werden die Versorgung allein mit Ärzten nicht sichern können“, so der Facharzt und ergänzt: „Wir müssen Versorgung anders denken“. Die Rolle der Ärztin und des Arztes wird sich seiner Einschätzung nach weiter verändern, indem die Arbeit an den Patient*innen abnimmt und Delegation zunimmt.
Wie Dr. Bandorski zum eRezept und zur elektronischen Patientenakte (ePA) steht, wie sich das Modell der digitalen Praxis am Beispiel von Etteln auf die Patient*innen auswirkt und wie wichtig nachhaltige, generationenübergreifende Maßnahmen zur Stärkung der Gesundheitsprävention sind, wird in dieser Folge ebenfalls diskutiert.
Die gesundheitliche Versorgung in Deutschland steht vor großen Herausforderungen und verändert sich derzeit fundamental. Die Digitalisierung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Hier setzen die von der Digitalen Modellregion Gesundheit Dreiländereck (DMGD) entwickelten Gesundheitspolitischen Gespräche an. In den Interviews wird über den Transformationsprozess von traditionellen hin zu digital unterstützten Versorgungsformen diskutiert und es wird erörtert, wie ein digitalisiertes Gesundheitswesen perspektivisch aussehen könnte, damit alle davon profitieren. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Wünsche und Einschätzungen von Versorgungsprofis aus Medizin, Pflege und Technik sowie von Wissenschaftler*innen und Bürger*innen.
Eine neue Ausgabe der Gesundheitspolitischen Gespräche erscheint jeweils zum Monatsanfang hier auf der DMGD-Website sowie auf dem YouTube-Kanal der DMGD. Ab Folge 6 sind die Gesundheitspolitischen Gespräche auch als Podcast auf Apple Podcasts und Spotify verfügbar.











