Vortrag: Prof. Dr. Jozo Acksteiner über Projekte zur intelligenten Versorgungssteuerung

Vortrag von Prof. Acksteiner über „Intelligente Versorgungssteuerung: Geoanalysen und KI für ein resilientes und kosteneffizientes Gesundheitssystem“

In der vergangenen Woche war Prof. Dr. Jozo Acksteiner, Professor der BWL an der Hochschule Fulda sowie Mitgründer der IntuitivAnalytix GmbH, als Vortragender in der Forschungsgruppe „Digitale Praxis“ der Digitalen Modellregion Gesundheit Dreiländereck (DMGD) zu Gast. Er stellte den Forschungsgruppenmitgliedern und weiteren Interessierten aus der Gesundheitsforschung der Universität Siegen drei Projekte vor, die zum Ziel haben das Gesundheitssystem durch eine intelligente Versorgungssteuerung zu stärken.

Unter dem Titel „Intelligente Versorgungssteuerung: Geoanalysen und KI für ein resilientes und kosteneffizientes Gesundheitssystem“ gewährte Prof. Dr. Jozo Acksteiner, Professor der BWL an der Hochschule Fulda sowie Mitgründer der IntuitivAnalytix GmbH, Einblicke in drei verschiedene datenbasierte Projekte, die darauf abzielen das Gesundheitssystem zu entlasten und die Ressourcensteuerung zu optimieren. Dabei bestimmt der jeweilige Anwendungsfall, welche Ziele maßgebend sind und welche Daten zur Lösung eines zugrundeliegenden Problems hinzugezogen werden, nicht umgekehrt. Anhand verschiedener Daten aus unterschiedlichen Bereichen werden Visualisierungen erstellt mit dem Anspruch, leicht verständlich und lesbar zu sein. Auf diese Weise entstehen intuitive Entscheidungssysteme, die an spezifische Ziele geknüpft sind.

Das erste Vorhaben „Regionale Ressourcensteuerung im Gesundheitswesen“ ist während der Corona-Pandemie als Forschungsprojekt an der Hochschule Fulda entstanden. Es fokussiert die regionale Ressourcensteuerung in Hessen im Hinblick auf die Kapazitäten von Beatmungsplätzen. Die Ressourcensteuerung erfolgt über ein Dashboard, das relevante Trendindikatoren visualisiert. Auf diese Weise können Patient*innen insbesondere in Krisensituationen effizient auf die Krankenhäuser verteilt werden. Aus diesem Forschungsprojekt heraus wurde gemeinsam mit Studierenden der Hochschule Fulda die IntuitivAnalytix GmbH gegründet. Zusammen mit dem Universitätsklinikum Frankfurt und der Technischen Universität Dresden wurde in diesem Rahmen der Anwendungszweck erweitert um die Auslastung der Intensivbetten bei Influenza. „Sehr interessant ist es, dass das Google Suchverhalten ein fantastischer Indikator dafür ist, was zwei Wochen später in den Krankenhäusern passiert“, so Prof. Acksteiner. Auch andere Indikatoren wie Abwasserdaten fließen in die Prognosen ein. Das Projekt ermöglicht dem Gesundheitssystem große Kosteneinsparungen.

Prof. Acksteiner erklärte außerdem das Vorhaben „Geokorrelationen Krankheiten & Umweltdaten“, für das der Proof-of-Concept bereits erbracht ist. Hier geht es um die Identifikation von Umweltfaktoren wie Luftschadstoffe, die Einfluss auf Pneumonien nehmen. Präventive Maßnahmen, insbesondere im Hinblick auf Risikogruppen, stehen dabei im Vordergrund. Gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen wird ein drittes Vorhaben „Reduktion des Anrufvolumens bei Kassenärztlichen Vereinigungen“ vorangetrieben. Dieses verfolgt den Ansatz, die bei der KV eingehenden Anrufdaten zu analysieren und einen Self-Service inklusive eines KI-basierten Agenten einzurichten, der Terminverfügbarkeiten von Ärztinnen und Ärzten automatisiert sichtbar macht. Auf diese Weise sollen die KV sowie die Ärzteschaft entlastet werden.

Abschließend tauschten sich die Teilnehmenden des Vortrags mit Prof. Dr. Jozo Acksteiner aus über die Relevanz und Methoden der Datenvisualisierung, Entscheidungssysteme im Hinblick auf KI, die Herausforderungen und Chancen einer bedarfsgerechten Versorgungslandschaft sowie über gemeinsame Schnittstellen.

Die interdisziplinäre und intersektorale Zusammenarbeit ist ein Kernmerkmal der Forschungsgruppe „Digitale Praxis“. Diese fachliche Diversität spiegelt sich auch in den regelmäßig stattfindenden Vorträgen wider. Die Forschungsgruppe wird zusammen mit der DMGD in der neuen Zentralen Wissenschaftlichen Einrichtung „Zentrum für interdisziplinäre Gesundheitsforschung“ aufgehen.

Im vorherigen Vortrag präsentierte Dr. med. Simon Schwill, MME, Universitätsklinikum Heidelberg, das ambulante Versorgungskonzept „Hausärztliches Primärversorgungszentrum Patientenversorgung Interprofessionell“, kurz: HÄPPI. Das patientenzentrierte Konzept konzentriert sich auf den Aufbau und Einsatz interprofessioneller Teams in Hausarztpraxen unter Berücksichtigung digitaler Prozesse. Zum Artikel: https://dmgd.de/2026/01/28/vortrag-simon-schwill/

Vorherige Meldung
Gesundheitspolitische Gespräche: Folge 38 mit Dr. med. Thomas Bandorski

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